zusammengestellt von Beate Schmidt
Rechtzeitig zum gerade eröffneten 29. Deutschen Krebskongress legte das Robert Koch-Institut (RKI) neue Zahlen zu Krebserkrankungen in Deutschland vor. Da wir in unserem Land nicht über ein nationales Krebsregister verfügen, müssen wir allerdings weiterhin mit Schätzungen der Daten auskommen. Gemeinsam mit der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID) hat das RKI seine Reihe „Krebs in Deutschland – Häufigkeiten und Trends“ mit den Zahlen zur Verbreitung von Krebskrankheiten für 2005/2006 fortgesetzt.
Die GEKID hat ein weiteres neues Internetangebot, den GEKID-Atlas: Inzidenz und Mortalität von Krebserkrankungen in den Bundesländern, bereitgestellt. Wir haben den Atlas getestet und in eine Tabelle für uns umgesetzt. Bei GEKID kann man jetzt, nach Indikationen getrennt, Daten zu Neuerkrankungsraten und Krebssterblichkeit der letzten Jahre abrufen. Hier die Daten zu Brustkrebs bei Frauen aus zwei ausgewählten Bundesländern (Berlin und Bayern) in der Gegenüberstellung zu den bundesweiten Zahlen. [Hinweis Juni 2011: Die Zahlen stimmen mit den aktuell angebotenen Zahlen des GEKID-Atlas – Datenstand Mitte 2010, C50, Brustkrebs bei Frauen teilweise nicht mehr überein. Eine aktuelle Berichterstattung auf dieser Webseite folgt in Kürze.]
GEKID-Atlas: Zahlen zu Brustkrebs
Brustkrebs in Berlin |
||
Jahr | __Erkrankungszahlen | __Todesfälle |
2000 | 1.972 | 697 |
2001 | 1.939 | 654 |
2002 | 1.977 | 675 |
2003 | 2.014 | 634 |
2004 | 2.152 | 689 |
2005 | 2.222 | 649 |
2006 | 2.063 | 685 |
2007 | keine Daten | 632 |
__
Brustkrebs in Bayern |
||
Jahr | __Erkrankungszahlen | __Todesfälle |
2000 |
keine Daten
|
2.561
|
2001 |
keine Daten
|
2.656
|
2002 |
8.783
|
2.715
|
2003 |
9.146
|
2.593
|
2004 |
9.496
|
2.658
|
2005 |
9.895
|
2.653
|
2006 |
9.717
|
2.564
|
2007 |
keine Daten
|
2.536
|
__
Brustkrebs in Deutschland |
||
Jahr |
__Erkrankungszahlen
|
__Todesfälle
|
2000 |
keine Daten
|
17.814
|
2001 |
keine Daten
|
17.504
|
2002 |
keine Daten
|
17.780
|
2003 |
58.397
|
17.173
|
2004 |
59.353
|
17.592
|
2005 |
61.213
|
17.455
|
2006 |
62.854
|
17.286
|
2007 |
keine Daten
|
16.780
|
__
Die Daten für Brustkrebs in den Bundesländern Berlin und Bayern zeigen tendenziell einen leichten Anstieg bei den Erkrankungszahlen und eine leider recht stabil unveränderte Sterblichkeit mit minimalen Schwankungen. Bundesweit liegt die Anzahl der Todesfälle allerdings erstmals seit dem Jahr 2000 unter 17.000. Es bleibt zu hoffen, dass dies bereits die endgültigen Zahlen sind und der sich hier erstmals zeigende Trend nicht nur eine übliche Schwankung ist, sondern sich weiter fortsetzt.
Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie hat den europäischen Trend in einer Presseerklärung v. 29.11.2009 erklärt. Demnach sinke die Brustkrebssterblichkeit bei Frauen aller Altersgruppen in den meisten westeuropäischen Ländern. Ursächlich dafür sei eine verbesserte Therapie in Kombination mit verbesserter Diagnostik. Wir werden gerade die Zahlen bei uns weiter genau beobachten.
Bei den für Deutschland vorliegenden bundesweiten Zahlen handelt es sich nach wie vor um Schätzungen, da aus verschiedenen Bundesländern keine genauen Zahlen verfügbar sind. Das Robert Koch-Institut schreibt in einer Pressemeldung vom 23. Februar 2010 u.a., dass PatientInnen ihre Ärzte auffordern mögen, ihren Fall zu melden. Eigentlich sollte es wirksamere Wege einer vollständigen Krebsregistrierung geben, als den „schwarzen Peter“ der unzulänglichen Krebsregistrierung in Deutschland in dieser Weise nach unten weiterzureichen. Immerhin werden aber nun durch das im Jahr 2009 in Kraft getretene (pdf) Bundeskrebsregisterdatengesetz die Bundesländer erstmals verpflichtet, dem Robert Koch-Institut flächendeckende und vollzählige Daten aus den Landeskrebsregistern zu übermitteln. Das RKI muss umgekehrt den Ländern die aufgearbeiteten Daten rasch zur Verfügung stellen und diese auch an Dritte für wissenschaftliche Auswertungen weitergegeben.
Kritik an der so etablierten Form der nationalen Krebsregistrierung hat die Stiftung Koalition Brustkrebs mit einem (pdf) offenen Brief an (damals noch) Bundesministerin Ulla Schmidt gerichtet, und auch die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. hatte eine (pdf) kritische Stellungnahme vorgelegt.
Die „Dachdokumentation Krebs“ des Robert Koch-Instituts heißt ab 2010 Zentrum für Krebsregisterdaten und soll zukünftig mit verbesserter personeller Ausstattung mehr leisten. Mit Krebs in Deutschland: Häufigkeiten und Trends 2005/2006 (ISBN 978-3-89606-182-9) ist am 23. Februar 2010 ein neues Zahlenwerk vorgelegt worden, das wieder kostenlos als pdf komplett heruntergeladen werden kann. Die (pdf) Daten zu Brustkrebs können ebenfalls direkt abgerufen werden.
Das RKI hält fest, dass die Brustkrebsraten in Deutschland zwischen 1980 und 2000 stetig angestiegen seien und seitdem stabil wären. Nun geht man jedoch vor dem Hintergrund der Etablierung des Mammographie-Screenings zumindest von einem vorübergehenden Anstieg (S. 56) aus. Außerdem gehe die Brustkrebssterblichkeit in Deutschland deutlich zurück, Zahlen siehe oben. Das Lebenszeitrisiko von Frauen, an Brustkrebs zu erkranken, wird mit 1 : 9 und das Sterblichkeitsrisiko mit 1 : 29 angegeben. Die aktuellen Zahlen sind für uns Anlass, uns weiterhin nachhaltig einzubringen und die Situation von Frauen mit Brustkrebs in Deutschland, Europa und anderswo weiterhin intensiv zu beleuchten.
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Brustkrebs in Deutschland, Europa und weltweit: mehr Zahlen & Daten bei uns
GEKID-Atlas (aktueller Flash-Player erforderlich)
Berichterstattung im Deutschen Ärzteblatt: Mehr Krebskranke in Deutschland vom 23.02.2010
The post Zahlen zu Brustkrebs und Krebserkrankungen (Deutschland 2000 – 2007) appeared first on Breast Cancer Action Germany.